Albtraum erLeben

Albtraum erLeben

Es war beim alten Haus;
Dort, wo die Erinnerungen waren;
Vor mir mein Vater; Im Rollstuhl;
Um mich herum Leute am Feiern; Gäste; Nachbarn; Verwandtschaft; Die Familie;

Mein Vater;
Vor mehreren Monaten bereits verstorben;
Und nun sitzt er vor mir;
Er kommt gerade von einer Operation; Kann sich kaum Bewegen; Der Kopf sackt ihm in die Schultern;
Ein Bild das an mir zerrt;
Ob er überlebt ist fraglich;
Sein Leben am seidenen Faden;
Mir ist das bewusst;
Denn das gehasste Gefühl ist wieder da;

Er soll aufstehen;
Man will sehen wie es ihm geht;
Man will Hoffnung spüren;
Wissen das alles gut ist;die Wahrheit verdrängen;
Und wir lassen ihn aufstehen;
Helfen ihm auf;

Er sackt zusammen;
Sein Körper in meinen Armen;
Das Gewicht in meinen Armen;
Das Leben in meinen Armen;

Plötzlich, alle sind Weg;
Am Feiern; Direkt um die Ecke;
Nur ich stehe da; Den sterbenden Vater im Arm;
Der Rollstuhl weg;
Der Kopf sackt zur Seite;
Ich halte ihn; Versuche den Kopf zu richten;
Egal was ich tue; Es klappt nicht;
Der Kopf sackt zur Seite; Und Körper rutscht mir weg;

Ich schreie; Doch keiner Reagiert;
Ich schreie; Und alle feiern weiter;
Verzweiflung; Schreie; Wut; Angst; Entsetzen;

Als wäre nichts gewesen;
Und das Leben aller geht weiter;
Nur bei uns nicht;
Ich ihn stützend; Er in meinen Armen;
Mein Leben am zerbrechen; Seines am schwinden;

Und wieder einmal liegt die gesamte Last auf meinen Schultern;
Meine eigene Last; Die von meinem sterbenden Vater; Und die Wut auf den Rest;
Alleine;

Ich sacke langsam zusammen;
Meinem Vater knickt der Kopf weg;
Ich liege zusammengebrochen auf dem Boden;
Sein Körper auf mir;
Die Last war zu schwer;

Ich hole den Rollstuhl; Setze Vater hinein;

Die Wut kocht in mir;
Keiner bemerkt es;
Allen scheint es egal;
Egal was passiert ist;
Egal was mit Vater ist;
Denn sie sind alle am feiern;

Jetzt schreie ich;

Direkt neben den anderen;
Doch keiner hört;
Ich werde ausfallend; Beleidigend;
Mittlerweile sogar persönlich; Jeden einzeln anschreiend;
Bis ich nicht mehr ignoriert werden kann;

Und dann;
Wieder;
Ich bin der Abschaum;
Wieder;
Die Party gestört; Die Last nicht gehalten; Gefühl und Schmerz nicht unterdrückt;
Und die Last auf meinen Schultern?;

Und das Leben in meinen Armen?
Interessiert niemanden;

Jetzt schreien sie alle;
In der Mitte stehe ich;
Alle schreien; Alle sauer; Wütend; Ausfallen; Mir gegenüber;
Bis der erster aufsteht; Denn er will mich schlagen;
… und ich kann es kaum erwarten;

Doch ich wachte auf…
Nach dem Aufwachen eines Albtraums bin ich immer froh.
Denn die Realität sieht ja anders aus.

Nur heute nicht …

Posted on 23 April '12 by , under Bewusstsein, bin / sein / existenz, Gesellschaft, Leben, Texte.